Reparatur einer GFK Sperrholz Jolle mit Holzdeck, Holzmast und Holzbaum

Eine mir zugelaufene Jolle vom Typ Koralle aus dem Jahr 1964 möchte gerne von mir gesegelt werden. Zuvor war allerdings etwas Pflege notwendig, denn die Koralle hatte am Rumpf ein Leck. Zudem brauchte der Holzmast dringend einen neuen Anstrich und auch der Lack auf dem Holzdeck war an einigen Stellen nicht mehr vorhanden.

Nachfolgend also eine Anleitung zur Reparatur vom GFK-Rumpf einer Sperrholzjolle. Die Anleitung lässt sich prinzipiell auch auf Voll-GFK-Rümpfe und auf Jachten übertragen – es handelt sich um die gleichen Werkstoffe und die selben Arbeits-Techniken.

Inhaltsverzeichnis

Reparatur des GFK-Rumpfes

Kentern und der Schutz vor dem Sinken

Holzmast lackieren

Holzdeck überlackieren

Weiterführende Links

 

Reparatur des GFK-Rumpfes

An der Stelle, wo die beiden Planken am Kiel aufeinander treffen befindet sich serienmäßig ein Klebestreifen, der den Kiel zusätzlich schützen soll. Dieser Klebestreifen war teilweise lose und unter dem Streifen war auf gesamter Länge bereits Wasser eingedrungen und zwar so weit, dass die Nägel, mit denen die Mahagoni-Spanplatten an dem innen liegenden Kiel-Stringer festgenagelt waren, weggerostet waren und ein ca. 10 cm langer Streifen bereits komplett offen war.

Unter dem Klebestreifen zeigte sich, dass die Stelle an der die Planken zusammenstießen bereits offen war.
Unter dem Klebestreifen zeigte sich, dass die Stelle an der die Planken zusammenstießen bereits offen war.
Von der Koralle wurden auf der atlanta Werft in Weidnau im Allgäu ca. 16.000 Boot gebaut. Die erste Koralle wurde 1961 gebaut, meine stammt aus dem Jahr 1964 und ist der Typ S5.
1967/68 kam der Nachfolger vom Typ S6R raus, bis dahin wurden die Korallen als Bootsbau-Sperrholz-Rumpf mit Polyester-GFK-Laminat und dementsprechend als Knickspanter gebaut. Die S6R wurde als reiner GFK-Rump und Rundspanter gebaut.
Somit ist meine S5 Koralle noch ein echtes Holzboot, wenn auch schon mit GFK-Laminat.
An der Kiel-Kante wurde ein Kunststoffstreifen einlaminiert, der mit Klammern am Kiel-Stringer festgetackert war. Auch diese Klammern sind bereits komplett weggerostet.

Der Sinn dieses Streifens ist mir nicht ganz klar, denn er schwächt an dieser Stelle auf jeden Fall den Laminat-Aufbau. Wahrscheinlich war er Prozess bedingt, um die Lohnkosten bei der Fertigung möglichst gering zu halten. Ich habe eine schematische Zeichnung des Aufbaus des Kiels gezeichnet. Man sieht, dass der Gummi-Streifen das Polyester-GFK-Laminat quasi unterbricht und sich nur eine ganz dünne Schicht Laminat über ihm befindet:

GFK abschleifen

Das Laminat war am Rand schon so lose, dass man es einfach mit einem Schraubenzieher abhebeln konnte:

Ich habe dann einfach zwei Streifen von ca. 8 cm Breite abgezogen:

So kann natürlich noch kein Laminat aufgetragen werden. Vorher muss das alte Laminat angeschliffen werden. Beim Schleifen ist auf eine ausrechende Schutzausrüstung zu achten. Eine Atemmaske mit Partikelfilter ist wichtig, da Glas-Staub in Verdacht steht, Lungenkrebs auszulösen. Eine einfache Staubschutzmaske, die man sich über Mund und Nase zieht reicht hier nicht aus. Man braucht schon eine sogenannte Halbmaske, die komplett mit einer dicken und fest anliegenden Gummilippe um Mund und Nase luftdicht abschließet. Diese Masken sind mit einem Ventil ausgestattet, durch welches man ausatmet. Außerdem können seitlich zwei Filter angeschraubt werden – mit den entsprechenden Filtern kann die Maske also auch gegen Lösemittel schützen. Außerdem können zugesetzte oder verbrauchte Filter getauscht werden.

Zum Glück kosten diese Masken auch nicht mehr so viel Geld, für knapp 20,– € bekommt man einen ausreichenden Schutz.

Ich habe mich für diese Atemmaske entschieden: Atemschutzmaske bei amazon [Affiliate-Link] und bei eBay [Affiliate-Link].

Eine Schutzbrille beugt Augenreizungen vor. Ich empfehle auch hier eine Brille, die dicht an der Haut anliegt. Vollsichtschutzbrillen bei amazon [Affiliate-Link] und bei eBay [Affiliate-Link].

Vor dem Schleifen muss der Rumpf entfettet und entwachst werden, ansonsten arbeitet man das Wachs immer weiter in die angeschliffene Stelle ein und das aufgetragene Epoxid haftet nicht ordentlich. Ich verwende dafür Entfetter von Epifanes.

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Planken vernageln

Später, wenn der Streifen abgeschliffen wurde, werde ich die Planken an dem Kiel-Stringer Festnageln:

Von unten (innen) wird der Kiel am Stringer abgestützt, damit man nicht ins Leere hämmert:

Ca. 1 cm von der Stoßkante entfernt, dort wo die verrosteten Klammern sind, wird die Planke dann vernagelt:

Der eigentliche Halt kommt dann aber vom Epoxid-GFK-Laminat, mit dem der Kiel ausgebessert wird.

Der Unterschied zwischen Polyester- und Epoxidharz (Epoxydharz)

Zunächst aber etwas Grundsätzliches zu den Werkstoffen Polyester, Epoxidharz/Epoxydharz und Glasfaser.

Es gibt zwei verschiedene Methoden, einen GFK-Rumpf aufzubauen. Entweder man hat eine Negativform, in der man Schicht für Schicht mit dem Aufbau beginnt. Man fängt dann mit einem Gelcoat an und füllt immer weiter verschiedene Schichten von Glasfasermatten und Kunststoff-Harz auf und schließt das ganze mit einem Topcoat ab, welches dann trocken aushärtet.

Bei der anderen Methode wird ein Gerüst aus Bootsbausperrholz (Wasserfestes Sperrholz) gebaut und dieses außen und meistens auch innen mit Laminat-Schichten (Glasfaser und Harz) überzogen. Die letzte Schicht bildet jeweils ein wasserdichtes Topcoat.

Die Kunststoffharze sind sogenannte Zwei-Komponenten-Harze. Das bedeutet dem eigentlichen Kunstharz wird ein sogenannter Härter hinzugefügt. Der Härter reagiert mit dem Harz, wodurch Wärme entsteht, die wiederum das Harz dazu bringt, auszuhärten. Es werden dabei keinerlei Lösemittel eingesetzt, das Harz muss also nicht an der Luft trocknen. 

Gelcoat ist dabei eine wasserdichte Schicht, die nur unter Luftausschluss trocken aushärtet und an der Luft feucht/klebrig bleibt. Daher kommt Gelcoat auch beim Negativ-Formenbau als erstes in die Schale. Die Außenhaut härtet trocken an der Schale aus und lässt sich dank einem Trennmittel, das vorher aufgetragen wurde, herauslösen. Innen härtet es feucht aus, wodurch weitere aufgetragene Schichten sich besser mit dem Gelcoat verbinden.

Will man eine Wasserdichte Schutzschicht außen auf den fertigen Rumpf auftragen, zum Beispiel um eine Schramme auszubessern, muss man entweder das aufgetragene Gelcoat mit einer Trennschicht einsprühen und dann eine luftdichte Plastikfolie auflegen oder man verwendet anstelle dem Gelcoat ein Topcoat. Dies ist auch wasserdicht, härtet aber an der Luft trocken aus.

Jetzt gibt es noch die beiden Varianten Polyester-Harz und Epoxid-Harz. Nachfolgend die Unterschiede:

Polyester:

  • günstiger
  • nicht wasserdicht
  • haftet nicht auf Epoxid
  • muss mit einem Topcoat/Gelcoat versiegelt werden oder einem wasserdichten Lack (Lack ist aber dünner als Topcoat/Gelcoat)
  • hält nicht sehr gut auf Holz
  • schwerer
  • nicht sehr stabil
  • min. Verarbeitungstemperatur: 18° C
  • härtet milchig aus
  • gesundheitsschädliche Styrol-Dämpfe (Lösemittel)
  • allergener Härter

 Epoxydharz:

  • teurer
  • wasserdicht
  • haftet auf Polyester
  • braucht kein Top- oder Gelcoat sondern kann mit !K und 2K Lack verschlossen werden
  • hält sehr gut auf Holz
  • leichter
  • sehr stabil (Verklebungen sind stabiler als das verklebte Holz)
  • kann auch bei niedrigeren Temperaturen verarbeitet werden (je nach Härter bis zu 5° C)
  • verrottetes Holz kann mit verdünntem Epoxyd aufgefüllt werden um es wieder stabil zu machen
  • kann mit dem entsprechenden Härter glasklar aushärten
  • keine gesundheitsschädlichen Dämpfe oder Lösemittel
  • Härter ist sehr stark allergieauslösend

Wie man sieht, bietet Epoxyd viele Vorteile. Allerdings ist Epoxyd auch eine Einbahnstraße. Da Polyester sich nicht so gut auf Epoxyd auftragen lässt, muss man immer mit Epoxyd ausbessern, wenn man einmal mit Epoxyd angefangen hat.

Beide Harze können mit verschiedenen Füllstoffen aufgefüllt werden oder mit Farbstoffen gefärbt werden.

Wenn Glasfaserverstärkter Kunststoff geschliffen wird, muss auf jeden Fall eine Atemschutzmaske mit Partikelfilter getragen werden, da Glasstaub unter Verdacht steht, Lungenkrebs zu begünstigen

Ich habe vor, meine Jolle mit Epoxyd auszubessern. Ich bin hier auf verschiedene Hersteller gestoßen:

Bootsservice Behnke hat sich auf Farben, Harze und Glasfasern speziell für den Bootsbau spezialisiert.

Fiberglas Discount bietet Epoxidharze und alles dazugehörige an, hat sich dabei aber nicht auf den Bootsbau spezialisiert und ist trotz dem Namenszusatz "Discount" nicht günstiger als der Bootsbau-Spezialist Behnke.

Bei meiner weitern Recherche bin ich auf den extrem günstigen Anbieter CTP gestoßen, der Epoxidharz mit einem sehr klar aushärtendem Härter über amazon [Affiliate-Link] und eBay [Affiliate-Link] anbietet.

Epoxidharz ist in dem normalen Zustand extrem dünnflüssig und in dieser Form sehr gut geeignet, um Holz zu tränken. Das Holz wird dadurch wasserdicht verschlossen und deutlich stabiler. Allerdings saugt es das Epoxid auch so sehr auf, dass ein Schichtaufbau unmöglich wird.

Daher wird Zwischen die einzelnen Epoxid-Lagen häufig ein Glasfasergewebe einlaminiert. Die Glasfasern geben dem Epoxid mehr Zug- und Druckstabilität und dazu mehr Volumen. Es gibt verschiedene Gewebetypen.

Glasfasermatte hat ähnlich einem Filz die Faserstränge in alle Richtungen durcheinander liegen. Es wird auch Glasvlies genannt und eigent sich als kleine Schnipsel auch gut als Zugabe um das Harz anzudicken. Glasfasermatte bei amazon [Affiliate-Link] und bei eBay [Affiliate-Link].

Glasrovinggewebe, Glasfilamentgewebe oder einfach Glasgewebe ist wie ein Stoff aus Garnsträngen gewebt, wobei unterschieden wird zwischen Köperbindung und Leinwandbindung. 

Köperbindung ist weicher und schmiegt sich besser an, vor allem, wenn komplizierte Formen und keine glatten Flächen laminiert werden sollen bietet es sich an Glasfilamentgewebe in Köperbindung zu verwenden. Die Köperbindung kennt jeder vom Jeans-Stoff: es werden immer zwei oder drei Fäden versetzt gewebt.

Leinwandbindung ist die bekannteste Webtechnik, der Faden geht immer abwechselnd hoch und runter. Leinwand ist etwas steifer als Köper und daher besser für ebene Flächen geeignet, wie zum Beispiel glatte Bootsrümpfe. Dazu kommt, dass Leinwandgebundenes Glasfasergewebe besser gegen seitliches Verschieben stabilisiert als Köpergebundenes Glasgewebe.

Der Unterschied zwischen Roving und Filament ist der, dass Filament feiner gewebt ist, während bei Roving ganze Fadenstränge oder -bänder verwebt werden sind es bei Filament wirklich einzelne Fäden. Dadurch ist das Filament weicher, verankert sich besser gegen seitliches Verschieben, ist aber auch teurer in der Herstellung.

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Um die Fließfähigkeit zu reduzieren, können zum Beispiel Baumwollflocken oder Flasfaserschnipsel in das Harz eingerührt werden. Ein sehr wichtiges Füllmittel ist das Thixotropiermittel. Es besteht aus Kieselsäure und reduziert die Fließfähigkeit extrem, sorgt aber auch dafür, dass das Harz weiterhin sehr fein modellierbar bleibt.

Außerdem können alle möglichen Stoffe eingerührt werden: Holzspäne, Glaskugeln, Quarzmehl, Talkum, Kreide …

Füllstoffe bei eBay [Affiliate-Link].

YouTube-Video mit einer guten Anleitung zum Reparieren einer GFK-Jolle.

Epoxidharz bzw. der Härter (gleiches gilt auch für Polyester) hat ein sehr hohes Allergieauslösendes Potential. Es ist deshalb sehr wichtig, dass geeignete Schutzausrüstung getragen wird. So genügen zum Beispiel keine dünnen Einweg-Handschuhe, egal ob diese aus Nitril oder Latex bestehen. Mehrweghandschuhe aus Nitril sind allerdings ausreichend. Auch sollte man eine Schutzbrille tragen.

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Neben den Handschuhen sollte aber auch darauf geachtet werden, dass die Arme komplett geschützt sind, zum Beispiel durch einen Baumwoll-Pullover. Wird intensiv mit Epoxid gearbeitet, ist ein Ganzkörper-Schutzanzug sinnvoll.

Lackieren des GFK-Rumpfes

Beim Lackieren gibt es die Wahl zwischen 1K und 2K (Zwei Komponenten) Lack

1K Lack

  • günstiger
  • einfacher in der Handhabung
  • kann auf 1K Lack und 2K Lack aufgetragen werden, wenn dieser vorher angeschliffen wurde
  • wird schneller stumpf (2 – 3 Jahre)
  • ist flexibler und bricht daher nicht so leicht

2K Lack

  • teurer
  • muss vorher mit Härter angerührt werden
  • kann nicht auf 1K Lack aufgetragen werden, da dieser sdurch den 2K lack angelöst wird und sich mit dem aufgetragenen Lack vermischt
  • bleibt länger hochglänzend (5 – 8 Jahre)
  • stabiler gegen Stöße
  • keine Lösungsmitteldämpfe

Ich habe mich für diesen Zwei-Komponenten-Lack [eBay-Affiliate-Link] entschieden.

Vor dem Lackieren muss überprüft werden, was für ein Lack der Altanstrich ist. Meine Jolle wurde vom Vorbesitzer einmal neu gestrichen, daher musste getestet werden, ob es sich um einen 1K oder 2K Lack handelt.

Dazu einfach 2K Verdünner auf ein Tuch geben und auf dem Altanstrich verreiben. Löst sich dieser, handelt es sich um 1K Lack und ein 2K Lack kann nicht aufgetragen werden, da sich der untere Lack dabei ablösen würde. Bzw. müsste der 1K-Lack dann komplett runter geschliffen werden.

Wie sich zeigte, lies sich der Lack nicht von dem 2K-Verdünner anlösen. Daher musste der Lack nur angeschliffen werden bzw. lose Stellen entfernt werden. Ich verwendete hierzu einen einfachen Schwingschleifer mit 40er Schleifpapier (Holz/Farbe):

Natürlich setzte ich die bereits oben erwähnte Atemschutzmaske auf und auch die Schutzbrille. Die Schutzbrille empfehle ich auf jeden Fall. Zu Beginn dachte ich, ich könnte darauf verzichten, da ich ja bei relativ viel Wind nur den Lack schleifen würde. Aber innerhalb ca. 20 Minuten fingen meine Augen zu tränen an und ich zog die Brille auf. Also – um Augenreizungen zu vermeiden unbedingt die Schutzbrille tragen!

Beim Schleifen zeigten sich einige weiche Stellen im Sperrholz. Diese waren zum Glück nur sehr klein und auch nur wenige. Vor dem Streichen müssen diese mit Epoxyd aufgefüllt werden.

Nach dem Schleifen den Rumpf mit reichlich Wasser abwaschen:

 

Kentern und der Schutz vor dem Sinken

Da Jollen keine Gewichtsstabilen Boote sind, kommt es leichter vor, dass diese Kentern, vor allem wenn sie sehr sportlich gesegelt werden. Daher gehört es nicht nur zur Segelgrundausbildung, eine gekenterte Jolle wieder aufzurichten sondern auch zur unabdingbaren Sicherheitsausrüstung, die Jolle unsinkbar zu machen.

Auftriebskörper

Die atlanta Koralle ist standardmäßig mit aufblasbaren Auftriebskörpern hinter den Schwertkästen ausgerüstet, die genügend Auftrieb bieten, um selbst ein komplett vollgelaufenes Boot vor dem Sinken zu bewahren. Allerdings sollte im Bug ein weiterer großer Auftriebskörper eingesetzt werden, damit das Boot auch mit Wasser in der Plicht weitersegelt ohne ständig neu voll zu laufen.

Aufblasbare Auftriebskörper bei amazon [Affiliate-Link] und bei eBay [Affiliate-Link].

Alternativ kann man auch einen Sitzball oder einen Autoreifen-Schlauch benutzen – amazon [Affiliate-Link] und eBay [Affiliate-Link].

Einbau eines Elvström Selbstlenzers / einer Lenzklappe

Das Wasser, dass sich nach dem Kentern im Boot befindet, kann man mit einer Pütt oder einem Ösfaß nach Außen befördern. Das ist sehr langwierig, komfortabler ist es, am Bootsrumpf sogenannte Selbstlenzer einzusetzen, die durch den Sog, der bei Fahrt entsteht, das Wasser ablaufen lassen.

Solche Elvströmlenzer werden auf beiden Seiten des Rumpfes eingebaut und der Lenzer, der sich auf der Luv-Seite befindet – also aus dem Wasser gehoben ist – wird während der Fahrt geschlossen. Liegt das Boot still oder macht es nur sehr wenig Fahrt durchs Wasser, werden beide Lenzer geschlossen, damit dann kein Wasser hereinläuft.

Andersen baut den Elvström Selbstlenzer in verschiedenen Größen. Zu unterscheiden ist auch, ob der Lenzer von innen oder von außen eingebaut wird. Wird er von innen eingebaut, muss der Rumpf gegebenenfalls an dieser Stelle angeschliffen werden, damit er nicht dicker als 7 mm ist. Die von innen eingebauten Lenzer können bei Rumpfstärken von 3 – 7 mm eingebaut werden. Die von außen bei allen Rumpfdicken. Ich vermute, die von innen eingesetzten verursachen weniger Widerstand an der Außenhaut des Bootes, vor allem, wenn man die Schrauben überlaminiert.

Übersicht über die verschiedenen Lenzertypen 

Typ Maße Rahmen Maße Öffnung Einbau von
Mini 92 x 56 mm 73 x 37 mm außen
Super-Mini 105 x 60 82 x 38 innen
Super-Mini Spezial 105 x 60 82 x 38 innen
Super-Medium 136 x 67 mm 107 x 40 mm innen
New Large 142 x 80 mm 105 x 42 mm außen
Super-Max 135 x 79 108 x 57 innen

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Reparatur von undichten Selbstlenzern

Jetzt ist es so, dass die Dichtungen der Lenzer gerne mit der Zeit undicht werden und auch durch einen geschlossenen Lenzer Wasser eindringt. Im Netz ist es sehr schwierig Informationen darüber zu finden, wie man diese Lenzer einbaut und wie man undichte Selbstlenzer repariert und die Dichtungen erneuern kann.

Andersen, der Hersteller der Elvström-Lenzer bietet hierzu Ersatzdichtungen an. Es ist dabei zu unterscheiden zwischen Innendichtungen und Außendichtungen.

Zum Austauschen der Außendichtungen muss der gesamte Lenzer ausgebaut werden und die Dichtung unter dem Rahmen ausgetauscht werden.

Bei der Innendichtung handelt es sich um einen Dichtungsrahmen, der an der inneren Klappe sitzt und ausgetauscht werden kann, indem der Verschlussbügel abgezogen wird und dann die Lenzklappe herausgenommen wird. Dazu muss auch noch die umgebogene Lasche am Ende des Lenzers gerade gebogen werden, damit man den Lenzer komplett nach unten aufdrücken kann. Dieser Austausch ist eine Sache von wenigen Minuten Arbeit.

Neben den originalen Andersen Ersatzdichtungen kann man sich auch kostengünstig mit anderen Mitteln helfen. So kann die Außendichtung leicht durch den Einsatz von Sikaflex oder Pantera erneuert werden. Achtung – bitte kein Silikon oder keine silikonhaltigen Dichtmittel verwenden, diese können nicht überstrichen werden, was vor allem auf Holzbooten ein Problem darstellt, da hier der Anstrich regelmäßig erneuert werden muss. Aber auch GFK-Boote benötigen hin und wieder einen neuen Anstrich und Silikon ist in kleinen Resten immer noch vorhanden, auch wenn man meint, es komplett entfernt zu haben.

Bei Sikaflex und Pantera handelt es sich um in Seglerkreisen hoch geschätzte silikonfreie und überstreichbare Reparatur-Dichtstoffe auf MS-Polymer-Basis. Wie viele andere Produkte, die speziell für den maritimen Bereich angeboten werden, sind die Produkte ziemlich teuer.

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MS-Polymer-Kleber von anderen Herstellern sind genauso gut aber kosten teilweise nur einen Bruchteil von Pantera und Sikaflex.

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Die Innendichtung kann durch einen zugeschnittenen Rahmen aus dickem Neopren oder Moosgummi ersetzt werden. Am günstigsten lässt sich ein einfaches Moosgummi-Mousepad, das man noch unbenutzt in der Schublade liegen hat, in entsprechende Form schneiden und aufkleben.

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Holzmast lackieren

Mast und Baum meiner Jolle fehlten fast komplett der Lack. Entsprechend verwittert war das Holz.

Ich habe den Mast daher mit 40er Schleifpapier abgeschliffen, dafür wurden alle Beschläge und Schrauben vorher entfernt.

Ein 80er Papier hätte auch genügt, für den ersten Anschliff, das hatte ich aber nicht zur Hand. Beim Abschleifen von Holz versucht man immer dem Zweck entsprechend das feinste Papier zu nehmen, da mit gröberem Papier das Ergebnis nicht so glatt wird und außerdem zu viel Material abgetragen wird.

Nach dem ersten Anschliff sieht es schon deutlich besser aus:

Im nächsten Schritt wurde mit 120er Papier fein geschliffen und dann mit Leinölfirnis vorgestrichen:

Jetzt wird ein bis drei Tage gewartet, bis die Firnis komplett durchgetrockenet ist. Der nachfolgende Anstrich erfolgt mit Le Tonkinois. Insgesamt sollen 7 – 10 Anstriche erfolgen, mit einem Tag Pause zwischen jedem Anstrich und anschleifen mit 220er Papier. Dann wird im Folgenden jedes Jahr einfach ein neuer Anstrich drüber lackiert.

Ich bin entsprechend einer Forenempfehlung aber anders vorgegangen und habe zunächst drei Anstriche ohne Zwischenschliff vorgenommen. Wie man sieht, kann auch Le Tonkinoise "schon" nach dre Anstrichen einen hohen Glanz-Grad erreichen:

Da sich die Holzfasern beim Anstreichen aufstellen, habe ich nach dem dritten Anstrich, nachdem dieser duchgetrocknet war, einen Zwischenschliff mit 120er Papier vorgenommen:

Danach werde ich weitere vier Schichten auftragen, ohne Zwischenschliff, evtl. mit einem 220er Zwischenschliff vor der letzten Schicht.

In Frankreich empfiehlt der Hersteller, ohne Zwischenschliff zu streichen und auf der Verpackung werden nur vier Schichten insgesamt empfohlen. Da es mir nicht um eine spiegelglatte Fläche geht sondern um einen funktionalen un dordentlichen Feuchtigkeitsschutz, denke ich, ich stehe mit 7 Anstrichen und zwei Zwischenschliffen auf jeden Fall auf der sicheren Seite.

Le Tonkinois gibt es als Vernis Anticorrosion und als Vernis Marine No 1. Ich habe mich für das günstigere Vernis Anticorision entschieden.

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Zum Reinigen der Pinsel schlägt der Hersteller Waschbenzin vor (amazon [Affiliate-Link] und ebay). Ich konnte die Pinsel aber auch gut mit Wasser und Geschirrspülmittel reinigen.

Alternativ kann man auch mit Epifanes Klarlack lackieren. Epifanes Bootslack klar bei amazon [Affiliate-Link] und bei eBay [Affiliate-Link].

Epifanes muss in den ersten Schichten mit Verdünner aufgetragen werden. Dabei wird von Schicht zu Schicht weniger Verdünner hinzugesetzt – beginnend bei einer 1 : 1 Verdünnung und Zwischenschliff mit 280er Papier. Ab der 7. Schicht dann komplett ohne Verdünner und dann mit 420er Papier zwischenschleifen.

Epifanes Verdünner bei amazon [Affiliate-Link] und bei eBay [Affiliate-Link].

Weshalb ich mich für Le Tonkinois und gegen Epifanes entschieden habe:

  • Naturprodukt ohne Lösemitteldämpfe
  • günstig
  • einfache Verarbeitung (keine Zwischenschliffe notwendig)
  • einfache Pflege (jährlicher Anstrich ohne Schleifen)

Nachteile von Le Tonkinois:

  • leider etwas weicher als Epifanes
  • lange Wartezeiten zwischen den Anstrichen (min. 24 h)

Wenn der alte Lack noch genügend fest am Holz haftet und man ihn noch drauf lassen kann, um nur einen neuen Anstrich darüber zu streichen, genügt es, wenn man direkt mit 120er Papier die Oberfläche leicht anraut. Dann ist es auch nicht nötig mit Leinölfirnis vorzustreichen. 

 

Weiterführende Links

Eigenbau eines Holzmastes

Segelmacher Latsch, stellt noch Segel für die Koralle her.

Epoxidharz fast ein Alleskönner – pdf auf peiso.at

0013_Holzboote_Reparieren_Restaurieren.pdf auf maritimo.at

Kunststoffboote - Reparatur und Wartung PDF auf maritimo.at

Moderner Holzbootbau von West. Unglaublich günstiger (0,01 €) eBook Download auf toplicht.de – Die Bibel des Holzbootbaus mit Epoxid und Bootsbausperrholz. Auch in gedruckter Form bei amazon [Affiliate-Link] erhältlich.

Schöne Maturaarbeit aus der Schweiz über das Restaurieren eines Schwertzugvogels.

Umfangreiches Wiki zum Thema GFK und Harze

YouTube-Video mit einer guten Anleitung zum Reparieren einer GFK-Jolle.

Holzmasten lackieren mit Epifanes

Anleitung zum Lackieren mit Le Tonkinois

Forumsdiskussion über verschiedene Holzboot-Lacke (Epifanes, Le Tonkinois …)

Forendiskussion u. a. über das Streichen der Bilge

Forendiskussion über das Streichen von Rumpf und Deck der Koralle und den Rumpfaufbau der Knick- und Rundspant-Version

Selbstlenzer Dichtungen ersetzen auf einer Finn

Yacht-Forendiskussion über die Platzierung von Elvström Selbstlenzern

Die Anstrichfibel von International

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